2.2 Einkommensmessung und Steuerlast

  1. Abhängigkeit der Einkünfte vom Maßstab

  2. Mit welchem Maßstab soll gemessen werden?

  3. Bilanzen mit Fremdkapital

  4. Inflationsneutrale Steuertarife

  5. Steuerlastverschiebung

  6. Kalte Progression

  7. Zusammenfassung

§2 EStG definiert: "(1)' Der Einkommensteuer unterliegen:
  1. Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft,
  2. Einkünfte aus Gewerbebetrieb,
  3. Einkünfte aus selbständiger Arbeit,
  4. Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit,
  5. Einkünfte aus Kapitalvermögen,
  6. Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung,
  7. sonstige Einkünfte im Sinne des § 22 EStG,
die der Steuerpflichtige während seiner unbeschränkten Einkommensteuerpflicht oder als inländische Einkünfte während seiner beschränkten Einkommensteuerpflicht erzielt. ²Zu welcher Einkunftsart die Einkünfte im einzelnen Fall gehören, bestimmt sich nach den §§ 13 bis 24.

(2) Einkünfte sind

  1. bei Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb und selbständiger Arbeit der Gewinn (§§ 4 bis 7k und 13a EStG),
  2. bei den anderen Einkunftsarten der Überschuss der Einnahmen über die Werbungskosten (§§ 8 bis 9a EStG)...."
Die Festlegung des Gewinns für die ersten drei Einkunftsarten ist ein fundamentaler Konstruktionsfehler.

nach oben Abhängigkeit der Einkünfte vom Maßstab

Die Gleichstellung von Gewinnen untereinander und die Gleichstellung von Gewinnen und Löhnen ist ein Akt reiner Willkür.

Ein Beispiel soll das erläutern: Stellen wir uns vor, wir hätten in einem Gebiet statt einer einzigen Maßeinheit deren drei - etwa Mark, Taler und Gulden.

Die Maßeinheiten inflationieren gegeneinander. Anmerkung: hier wird nichts über die tatsächliche Inflationsrate gesagt. Sie könnte in jeder der Maßeinheiten gemessen z.B. 0 % sein - natürlich nur in einer Maßeinheit.

Wir wollen jetzt die Einkünfte eines Lohnempfängers L und zweier Unternehmer, X und U, alternativ in Mark, Gulden und Taler messen. Der Lohn werde am Ende des Jahres als Jahreslohn ausgezahlt.


Am Ende des Jahres erhält L einen Lohn von 40 000 Mark. Die Unternehmen X und U haben gemessen in Mark folgende Bilanzen:
Bilanz des U in Mark
Aktiva Passiva
StartEnde
Summe Aktiva 400 000 440 000
______
Start Ende
Eigenkapital 400 000 400 000
Gewinn +40 000
Bilanz des X in Mark
Aktiva Passiva
StartEnde
Summe Aktiva 200 000 240 000
______
Start Ende
Eigenkapital 200 000 200 000
Gewinn +40 000
Man sieht, es haben alle drei, L, X und U 20 000 Mark Einkommen.

Rechnen wir jetzt alles in Gulden um, so ergibt sich nach der Umrechnungsvorschrift für den Jahreslohn des L ein Betrag von 36 000 Gulden. Haben jetzt auch die Gewinnermittler einen Gewinn von 36 000 Gulden?

Bilanz des U in Gulden
Aktiva Passiva
StartEnde
Summe Aktiva 400 000 396 000
______
Start Ende
Eigenkapital 400 000 400 000
Gewinn - 4 000
Bilanz des X in Gulden
Aktiva Passiva
StartEnde
Summe Aktiva 200 000 216 000
______
Start Ende
Eigenkapital 200 000 200 000
Gewinn + 16 000

Die Aktiva von U am Jahresende 440 000 Mark sind jetzt 396 000 Gulden und die bei X sind aus 240 000 Mark = 216 000 Gulden geworden. Der Gewinn von X ist von 40 000 Mark auf 16 000 Gulden geschrumpft, und aus dem Gewinn von U von ebenfalls 40000 Mark wurde ein Verlust von 4000 Gulden. Während der Lohn von L im Vergleich zur Mark um 10 % zurückging, ergibt dies bei X einen Rückgang um 60 % und bei U sogar um 110 %.


Gehen wir nun zur Rechnung in Talern über: Das Einkommen des L ist statt 40 000 Mark 44 000 Taler, also um 10 % höher als in Mark.

Bilanz des U in Talern
Aktiva Passiva
StartEnde
Summe Aktiva 400 000 484 000
______
Start Ende
Eigenkapital 400 000 400 000
Gewinn + 84 000
Bilanz des X in Taler
Aktiva Passiva
StartEnde
Summe Aktiva 200 000 264 000
______
Start Ende
Eigenkapital 200 000 200 000
Gewinn +64 000
Das Einkommen von X ist von 40 000 Mark auf 64 000 Taler, also um 60 %, und das von U von 40 000 Mark auf 84 000 Taler, also um 110 % gestiegen.
ZusammenfassungEinkommen % von Mark
MaßstabMarkGuldenTaler Gulden Taler
Lohnempfänger L40 000 Mark 36 000 Gulden 44 000 Taler -10% + 10 %
Unternehmer U 40 000 Mark - 4 000 Gulden 84 000 Taler - 110 % + 110 %
Unternehmer X 40 000 Mark 16 000 Gulden 64 000 Taler - 60% + 60 %
Obwohl es immer um die gleichen Einkommen (in Mark) handelt, und sich durch den Maßstabswechsel real nichts ändert, fallen die Zahlenwerte für das Einkommen unterschiedlich aus, je nach Maßstab mit dem man misst. Das gilt auch, wenn sich real von Jahr zu Jahr nichts verändert und nur die Inflationsrate variiert.
Verwendet man unterschiedliche Maßstäbe oder variiert ceteris paribus nur die Inflationsrate, dann gilt:
  • Gewinne sind nicht mit Löhnen vergleichbar
  • Gewinne sind auch untereinander nicht vergleichbar

Die Beispiele zeigen, dass die Unterschiede in den Einkommensrelationen (und damit der Steuerlastverteilung der Einkommensteuer) ihre Ursache darin haben, dass der Bilanzgewinn sich definitionsgemäß als Reinvermögenszuwachs ergibt. Das Reinvermögen ergibt sich aus der Summe der Aktiva abzüglich der Verbindlichkeiten (= Fremdkapital, bisher in den Beispielen nicht enthalten). Der Reinvermögenszuwachs ist dann die Differenz der Vermögenswerte am Anfang und am Ende des Jahres und ist - wie gezeigt - abhängig vom Maßstab, in dem gemessen wird.

nach oben Mit welchem Maßstab soll gemessen werden?

Man könnte versuchen, das Dilemma der Abhängigkeit des Einkommens vom Maßstab dadurch zu beseitigen, dass man einen "Standardmaßstab" normiert. Am einfachsten wäre es wohl, wenn man den Maßstab wählt, in dem die Inflationsrate Null ist. Allein - dies ist praktisch nicht durchführbar.

Mit diesem Maßstab müssten dann alle Werte - insbesondere die Vermögenswerte der Aktivseite - mit realen Werten statt nominalen berechnet werden, indem man sie durch Division durch eine Inflationsrate umrechnet (deflationiert). Schon die Wahl der "richtigen" Inflationsrate wäre willkürlich, da die Inflationsrate vom gewählten Warenkorb abhängt. Gemessen mit dem deutschen Warenkorb kommt man in Frankreich zu anderen Inflationsraten als wenn man sie mit dem französischen Warenkorb misst, obwohl alle Preise in Frankreich erhoben werden. Das gilt natürlich auch umgekehrt: Mit den irischen oder französischen Warenkörben kämen unterschiedliche Werte heraus. Ob das so deflationierte "Real"-Einkommen zweier Lohnarbeiter gleich bleibt oder sich unterschiedlich entwickelt, hängt ganz von den Waren ab, die sie sich von ihrem Lohn kaufen. Für Unternehmen sind die Unterschiede dann noch krasser, weil ihre Vermögen, Lagerbestände, Ein- und Verkaufspreise oft auf Warengruppen konzentriert sind, deren Preise sich anders entwickeln als die Inflationsrate. Es gibt keinen "natürlichen" gerechten Maßstab, jeder Maßstab ist zwangsläufig willkürlich.

Vielleicht könnte das Rechnen mit deflationierten Werten Unterschiede in der Einkommensmessung kleiner machen, wenn sie schon nicht nicht völlig beseitigt werden können. Dieser Weg ist völlig praxisfern. Schon wegen der damit verbundenen Abgrenzungsschwierigkeiten. Entweder müssten alle Vorgänge tagesaktuell bewertet und mit den an diesem Tag gültigen Inflationsraten deflationiert werden oder es ergeben sich sprunghafte Wertänderungen bei den Terminen, an denen die neue Inflationsrate gilt. Die Inflation findet ja nicht nur an diesen Terminen, sondern andauernd statt. Berechnungsprobleme und deren Nachvollziehbarkeit dieses Vorschlages seien hier nur am Rande erwähnt. Dazu kommt das Problem der Deflationierung von Verbindlichkeiten.

Fazit: Der sich anbietende "natürliche" Maßstab, wäre die Umrechnung auf Realwerte, aber
  • dieser Maßstab ist nicht eindeutig definierbar und wäre daher willkürlich,
  • wegen unterschiedlicher Preisentwicklungen verschiedener Waren wäre er nicht gerechter als heute,
  • die Umsetzung in die Realität wäre kaum praktikabel.

nach oben Bilanzen mit Fremdkapital

Die vorgelegten Beispiele sind zwar sehr einfach, scheinen aber sehr speziell zu sein. Typischerweise enthält eine Bilanz auch Fremdkapital. Die Einbeziehung von Krediten verändert jedoch nichts an den bisherigen Erkenntnissen. Ein weiteres Beispiel soll das verdeutlichen:

Unternehmer V hat wie U ein Eigenkapital von 400 000 Mark, hat aber einen Kredit von 600 000 Mark aufgenommen und mit diesem Aktiva B erworben, - z.B. zuvor gemietete Grundstücke, wobei die eingesparten Mieten, (die U noch zahlen muss) gerade den Fremdkapitalzinsen entsprechen sollen. Der Wert der Aktiva B ist - in Mark gemessen - gleich geblieben. Da V ansonsten genauso operiert wie Unternehmer U hat er auch einen Gewinn von 40 000 Mark. Das ergibt folgende Bilanzen:

Bilanz des V in Mark
Aktiva Passiva
StartEnde
Summe Aktiva A 400 000 440 000
Summe Aktiva B 600 000 600 000
Bilanzsumme 1 000 000 1 040 000
Start Ende
Eigenkapital 400 000 400 000
Fremdkapital 600 000 600 000
Gewinn +40 000
Natürlich sind jetzt auch das Fremdkapital und die Aktiva B in Gulden bzw. Talern anzusetzen.
Bilanz des V in Gulden
Aktiva A Passiva
StartEnde
Summe Aktiva A 400 000 396 000
Summe Aktiva B 600 000 540 000
Bilanzsumme 1 000 000 936 000
Start Ende
Eigenkapital 400 000 400 000
Fremdkapital 600 000 540 000
Gewinn - 4 000
Bilanz des V in Talern
Aktiva Passiva
StartEnde
Summe Aktiva A 400 000 484 000
Summe Aktiva B 600 000 660 000
Bilanzsumme 1 000 000 1 144 000
Start Ende
Eigenkapital 400 000 400 000
Fremdkapital 600 000 660 000
Gewinn + 84 000
Die Gewinne von V und U sind in allen Maßstäben jeweils die gleichen wie oben. Das ist immer so, denn die Bilanzen lassen sich (fiktiv) immer in zwei Bilanzen aufsplitten: in der 1. ist das Eigenkapital mit entsprechend gesplitteten Aktiva A und in der zweiten können die Forderungen der Kreditgeber durch die Aktiva B erfüllt werden.

Die Werte des Fremdkapitals am Ende sind unterschiedlich, da sie gemäß Rechenvorschrift umzurechnen sind. Sie sind in der Vertragswährung (Mark) zurückzuzahlen und daher entsprechend zu bilanzieren.

Allerdings werden Kreditgeber darauf drängen, dass als Maßstab der Bilanzierung möglichst der Maßstab gewählt wird, der auch in den Kreditverträgen vereinbart ist, üblicherweise also die jeweilige Landeswährung. Dies gilt auch z.B. für Kredite in Fremdwährung, kann aber in besonders krassen Fällen, etwa bei exorbitant hohen Inflationsraten, auch anders geregelt werden. Denn der Gläubigerschutz ist ja der eigentliche Zweck der (Handels-) Bilanz. Dort ist das Eigenkapital der "Puffer" für mögliche Verluste. Es soll nicht angetastet werden, und gegebenenfalls so schnell wie möglich wieder hergestellt werden. Daraus ergibt sich, dass der Gewinn der Betrag ist, der maximal an die Eigentümer ausgeschüttet werden darf, ohne die Gläubigerrechte zu gefährden. Bei Kapitalherabsetzungen haben die Gläubiger daher auch ein Vetorecht.

Die Einkommensteuer hat die Methodik der Handelsbilanz übernommen und diese präzisiert. Auch wenn beide Bilanztypen unterschiedlichen Zwecken dienen, gilt die Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Steuerbilanz. Damit gibt es einen Zielkonflikt zwischen beiden Bilanztypen: in der Handelsbilanz darf man sich nicht reicher darstellen, als man ist, in der Steuerbilanz nicht ärmer. Die gängige Praxis ist, dass nur die Steuerbilanz aufgestellt wird und Kreditgeber inoffiziell über die Unterschiede, z.B. über die stillen Reserven, der Steuerbilanz informiert werden, die für sie zusätzliche Sicherheiten darstellen.

  • Auch bei Bilanzen mit Fremdkapital hängen die Gewinne vom Maßstab ab.
  • Kreditgeber favorisieren normalerweise als Maßstab die jeweilige Landeswährung.

nach oben Inflationsneutrale Steuertarife

Da das Steueraufkommen wegen des progressiven Einkommensteuertarifs überproportional mit der Inflationsrate ansteigt, (kalte Progression) wird der Steuertarif immer wieder an die Inflation angepasst. Interpretiert man Taler und Gulden als Währungseinheit in verschiedenen Jahren mit unterschiedlicher Inflation. etwa Gulden = Euro im Jahr g, Mark = Euro im Jahr m und Taler = Euro im Jahr t, so kann man die Steuereffekte berechnen, wenn man den Tarif kennt. Als Beispiel verwenden wir einen Steuertarif, der unabhängig vom Maßstab für einen Lohnempfänger immer den gleichen Steuersatz ergibt. Damit kann man die Anpassung an unterschiedliche Inflationsraten "automatisieren". In diesem Sinn ist der Steuertarif dann auch "inflationsneutral".
Für die relative Inflation
der Maßstäbe gegen die
Mark definieren wir f:
den Faktor f
bei Berechnung in
bzw. Euro im
f=1
Mark
Jahr m
f=0,9
Gulden
Jahr g
f=1,1
Taler
Jahr t

Zur Demonstration wird auf die 3 Beispiele der folgende 3 stufige Einkommensteuertarif angewendet:

Einkommen ESteuersatz s in %Steuer S = s*E/100Bezeichnung
unter 8000 * f 0 0 Freibetragszone
von 8000 * f bis 50 000 * f s = E/f/ 2000 - 4 E²/f/2000 - 0,04 * EProgressionszone
über 50 000 *f s= 46 - 1 250 000*f/ES= 0,46*E - 12 500*f Proportionalzone

Dieser Tarif ist progressiv, ähnlich konstruiert wie der Einkommensteuertarif, hat aber nur 3 Zonen statt 5. In der Grafik ist dieser Tarif dargestellt (Blau = Modelltarif, Rot = Einkommensteuertarif, s = Steuersatz, S' = Grenzsteuersatz). Tarif der Modellsteuer und der Einkommensteuer

Anmerkung: Bei der Konstruktion eines drei Stufigen Tarifs mit den hier benutzten Funktionen gibt es nur 3 Freiheitsgrade z.B. die Eckwerte der Progressionszone, und der Spitzensteuersatz. Die restlichen Parameter ergeben sich durch die Forderung, dass am linken Rand der Progressionszone S = 0 und am rechten Rand Steuern und Grenzsteuersatz stetig in die Proportionalzone fortzusetzen sind.

Mit f=1 können die Steuereffekte berechnet werden, wenn der Tarif nicht an die Inflation angepasst wird. Bei den anderen f-Werten wird zunächst das Einkommen in Gulden oder Taler in Mark umgerechnet, darauf dann der Tarif mit f=1 angewendet, und schließlich die sich ergebende Steuer (in Mark) wieder in Gulden oder Taler umgerechnet. Bei diesem Tarif bleibt z.B. der Steuersatz der Lohnempfänger immer gleich hoch.

Wenden wir diesen Steuertarif auf die Einkommen von L, U und X an, so ergeben sich folgende Steuersätze:

SteuersätzeEinkommen in .. % ungeändert% angepasst
MaßstabMarkGuldenTaler f=1f=1f=1 f=0,9f=1,1
Lohnempfänger L40 000 36 00044 000 16 1418 1616
Unternehmer U40 000 - 4 000 84 000 16 031,12029,63
Unternehmer X40 000 16 000 64 000 16 426,47 4,8924,52

Je nach Maßstab werden auf dasselbe Einkommen (in Mark) ganz unterschiedliche Steuersätze angewendet: Bei L ist der Steuersatz bei angepasstem Tarif immer 16 %, bei ungeändertem Tasrif variiert er je nach Inflationsrate. Bei Unternehmer U variiert er von 0% bis 31,12%.

nach oben Steuerlastverschiebung

Wie hoch ist in den 3 Maßstäben mit dem unterstellten Steuertarif das Steueraufkommen? Dazu braucht man noch die Anzahl der jeweiligen Einkommensbezieher. Nehmen wir an, die "Bevölkerung" bestehe aus 10 Personen, den beiden Unternehmern X und U und 8 Lohnempfängern L.
in MarkAnz.∑ EinkommenSteuersatz∑ SteuernSteuerlast
Lohnempfänger L8320 00016 % 51 20080 %
Unternehmer U140 00016 % 6 40010 %
Unternehmer X140 00016 % 6 40010 %
Gesamt10400 00016 % 64 000100 %

Das Ergebnis ist einfach zu verstehen: alle haben das gleiche Einkommen (in Mark) und daher auch den gleichen Steuersatz. Die Steuerlast verteilt sich nach den Anteilen der Bevölkerung: die Lohnempfänger tragen 80 % und die Unternehmer je 10 %, zusammen also 20 %.

Bei der Messung in Gulden ist das Gesamteinkommen (Volkseinkommen) um 25 % niedriger als in Mark, also erheblich niedriger als die 10% der Umrechnung. Die Steuern werden ungeändert (f=1) oder inflationsneutral (f=0,9) erhoben.

in Gulden: f=1Anz.∑ EinkommenSteuersatz∑ SteuernSteuerlast
Lohnempfänger L8288 00014 % 40 32098,5 %
Unternehmer U1- 4 0000 % 00 %
Unternehmer X116 000 4 % 6001.5 %
Gesamt10300 00013,64 % 40 920100,0 %
f=1: Dieser Fall tritt z.B. ein, wenn die Inflationsrate um 10% abnimmt und keine Steueranpassung vorgenommen wird. Das Steueraufkommen bricht um 36 % ein, also noch stärker als das Gesamteinkommen. Die Steuerlast verschiebt sich fast vollständig auf die Lohnempfänger, die Unternehmer tragen kaum etwas bei.
in Gulden: f=0,9Anz.∑ EinkommenSteuersatz∑ SteuernSteuerlast
Lohnempfänger L8288 00016 % 23 04098,3 %
Unternehmer U1- 4 0000 % 00 %
Unternehmer X116 000 4,89 % 7821,7 %
Gesamt10300 00015,62 % 45 852100,0 %
f=0.9: Bei inflationsneutraler Steueranpassung ist das Steueraufkommen um 27 % geringer als in Mark, entspricht aber in etwa dem Rückgang des Volkseinkommens. Auch der Durchschnittssteuersatz liegt mit 15,62 in der Nähe von 16%, Die Steuerlast tragen wieder fast vollständig die Lohnempfänger.

nach oben Kalte Progression

Bei Messung in Taler ist das "Volkseinkommen" um 25 % höher als in Mark, obwohl die "Inflation" nur um 10% zugenommen hat. Ursache sind die überproportional gestiegenen Einkommen der Unternehmer. Wieder werden die Steueraufkommen mit ungeändertem Tarif (f=1) und mit angepasstem Tarif (f=1,1) untersucht.
in Taler: f=1Anz.∑ EinkommenSteuersatz∑ SteuernSteuerlast
Lohnempfänger L8352 00018 % 63 36059,5 %
Unternehmer U1 + 84 00031,12 % 26 14024,6 %
Unternehmer X1+ 64 000 26,47 % 16 94015,9 %
Gesamt10500 00021,28 % 106 440100,0 %
f=1: Steigt die Inflationsrate um 10% und wird der Steuertarif beibehalten, so steigt das Steueraufkommen um 66 %, also deutlich mehr als das Volkseinkommen (mit 25 %). Dies ist der Fall der "kalten Progression" Die Steuerlast verschiebt sich: für Lohnempfänger sinkt sie von 80 % auf 59,5 %, für Unternehmer steigt sie von 20 % auf 40,5 %, also mehr als das Doppelte.
in Taler: f=1,1Anz.∑ EinkommenSteuersatz∑ SteuernSteuerlast
Lohnempfänger L8352 00016 % 56 320 58.1 %
Unternehmer U1+ 84 00029,63 % 24.88825,7 %
Unternehmer X1+ 64 00024,52 % 15 69216,2 %
Gesamt10500 00019,38% 96 900100,0 %
f=1,1: Infolge der Anpassung des Steuertarifs steigt das Steueraufkommen jetzt lediglich um 51 %, dies ist zwar geringer als vorher, aber immer noch deutlich mehr als die 25 % Steigerung beim Volkseinkommen. Die Steuerlast liegt mit 42 % bei den Unternehmen, ihre Last ist sogar höher als ohne Tarifanpassung.

Da die kalte Progression durch inflationsneutrale Steuertarife nicht beseitigt werden kann, weil auch in diesem Tarif einer Erhöhung des Volkseinkommens um 25% eine Steigerung des Steueraufkommens um 51 % gegenübersteht, kann man sich fragen, ob nicht eine weitere Manipulation am Steuertarif so erfolgen kann, dass das Steueraufkommen ebenfalls um nur 25 % steigt. In dem hier gewählten Tarif bietet sich dafür die Ausweitung und Verflachung der Progressionszone an. Dies ist mit einem Faktor f von 1,3154 möglich.

Taler: f=1,3154Anz.∑ EinkommenSteuersatz∑ SteuernSteuerlast
Lohnempfänger L8352 00012,72 % 44 79356,0 %
Unternehmer U1+ 84 00026,42 % 22 19727,7 %
Unternehmer X1+ 64 00020,33 % 13 01016,3 %
Gesamt10500 00016,00 % 80 000100,0 %
f=1,3154: Wie angestrebt, ist der Durchschnittssteuersatz, der dem Verhältnis von Steueraufkommen zu Volkseinkommen entspricht, der gleiche wie in Mark, also 16 % und das Steueraufkommen ist mit diesem f-Wert infaltionsbedingt 25% höher als in Mark. Die Schieflage der Steuerlast verschärft sich weiter: Die Lohnempfänger tragen nur noch 56 % zum Steueraufkommen bei, also 30% weniger als in Mark. Unternehmer U zahlt jetzt mit 27,7 % des Steueraufkommens also 177% mehr als in Mark. Auch X schultert jetzt 16,3 % der Gesamtsteuerlast.

Man könnte einwenden, dass bei Bilanzen mit Krediten die höhere Besteuerung der Unternehmer gerechtfertigt ist, da sie von der Inflation profitieren, weil sie die Kredite zu "alten Konditionen" zurückzahlen können - echte Inflationsgewinne. Dieser Einwand sticht nur begrenzt, denn

  • Veränderung der Steuerlast mit dem Maßstab oder der Inflationsrate ist eine Ungleichbehandlung.
  • Dies verstößt gegen die horizontale Gerechtigkeit und ist durch Tarifmanipulation nicht reparierbar.

nach oben Zusammenfassung

Gewinn und Rentabilität sind hervorragend geeignet, festzustellen, wie wirtschaftlich Unternehmen arbeiten - insbesondere, wenn man sie untereinander vergleicht. Dass der Reinvermögenszuwachs bzw. der Gewinn vom Maßstab abhängt, liegt an dessen Definition und ist nicht weiter schlimm. Beim Vergleichen spielt der Maßstab bzw. die Inflationsrate keine Rolle und letztere kann leicht von der Rentabilität abgezogen werden, um festzustellen, ob ein Unternehmen real überhaupt noch etwas verdient. Denn ein Unternehmen, dass dauerhaft weniger als die Inflationsrate erwirtschaftet, macht real Verluste. Der Gewinn begrenzt die Entnahmen, um die Gläubiger zu schützen. Allerdings müssen diese bei ungesicherten Krediten und höheren Inflationsraten genauer prüfen, ob die Unternehmen bei maximaler Gewinnausschüttung nicht das Eigenkapital soweit schröpfen, dass die Realwerte der Aktiva nicht mehr als Sicherheitspolster ausreichen.

Dass aber das Einkommen bei drei der wichtigsten Einkunftsarten durch den Gewinn gemessen wird, verursacht Probleme. Gewinne hängen vom Maßstab ab - und dieser ist letztlich immer willkürlich. Dieses Problem ist nicht nur eine theoretische Spielerei, sondern wird vor allem dann gravierend, wenn sich Inflationsraten ändern. Zwar kann man durch Veränderung der Steuertarife erreichen, dass die kalte Progression abgebaut wird. Dennoch verschieben sich dabei die Steuerlasten.

  • Die Definition des Gewinns zur Messung von Einkünften verstößt nicht nur bei Änderung des Maßstabs, sondern auch bei variierenden Inflationsraten gegen die horizontale Gerechtigkeit.
  • Nur die Deflationierung aller Aktiva könnte dies korrigieren - das ist aber praktisch undurchführbar.
Dass diese Ergebnisse an vereinfachten Modellen mit drastischen Unterschieden in den Inflationsraten von jeweils 10% pro Jahr gewonnen wurden, ist kein Argument gegen deren Gültigkeit. Die Effekte treten auch bei kleineren Unterschieden auf, sind dann zwar nicht ganz so drastisch, können aber nicht wegdiskutiert werden. Auch realitätsnähere Steuertarife und realistischer zusammengesetzte Steuerzahler und Bilanzen ändern an den Ergebnissen nichts. Bei Bedarf könnte dies in aller mathematischen Schärfe bewiesen werden. Allerdings ist die Beweislage umgekehrt: Ein Beispiel reicht, um zu zeigen, dass die horizontale Gerechtigkeit bei der Einkommensteuer nicht gegeben ist.
Horizontale Gerechtigkeit ist mit der Einkommensdefinition durch Einkunftsarten nicht erreichbar.